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04.12.2014 Bielefeld Lesung

Giorgos Lillis - Wolfram Stutz

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Die Lesung in zwei Sprachen findet großen Anklang. Die Resonanz ist massiv positiv. Am Ende findet bei Bier, Wein und griechischen Leckerbissen (von der Mutter des Dichter vorbereitet) ein zwangloses Gespräch statt, bei dem Kontakte geknüpft werden.                                                                                                                 

Zu Beginn erläutert Wolfram Stutz die Bedeutung des Literaturvermittlung. Er stellt Gedanken-Parallelen zwischen Lillis und Ritsos heraus. Beispiel: Ritsos stellt in dem Gedicht “Das Blut” dar, wie die Spuren des Leids verwischt werden: “Jede Nacht kommen auf der Straße die Verwundeten vorbei. Blutstropfen bespritzen die Gehsteige. Am nächsten Tag waschen die Frauen sie ab mit Besen und Eimern Wasser. Aber das Blut tritt röter wieder hervor in den Worten, die wir nie aussprechen werden.” Ritsos zeigt, dass wir die sichtbaren Spuren wohl löschen können, doch die unsichtbaren Spuren bleiben Teil unseres Lebens, unserer wortlosen Gegenwart. Lillis spricht Worte aus, die eigentlich nie ausgesprochen werden. Damit begibt er sich in die “Schusslinie”. In “Pädagogischer Ausflug” bringt er die Atombombe zur Sprache: “Ihr steht vor dem Bomber B-29. Dem Flieger, der die Bombe auf Hiroshima abgeworfen hat ‘mit Mutters Segen’. Enola Gay. ... An den Rest darfst du nicht denken. ...”  

In “Der Koloss von Rügen” schaut der Dichter hinter die Dünen: “Von hier aus sind die Soldaten nicht sichtbar, auch nicht Gefängnisse, Panzer. Hinter den Dünen herrscht eine andere Wirklichkeit: das Erbe der Nazis.” Auch die Katastrophe vom 11.September spricht Lillis an: “Der Staub bezeugt die einander folgenden Niederlagen, genau hier, wo sich Frieden und Wohlstand manifestierten, herrscht jetzt der Schrecken.  Schreite nicht mit verbundenen Augen.”

In bewegenden Texten decouvriert Lillis das Leiden, bleibt bei alledem friedlich und erarbeitet sich eine versöhnliche Stimmung, allem Elend zum Trotz. “Ich vergebe dir - das allein kann ich tun.” So verkündet der Dichter. Sein Widerstand besteht nicht in eiserner Gegenwehr, sondern in der Umarmung des Gegners. Lillis glaubt an die “das Atmen, das einen Traumpfad offenbart” und er weiß mit poetischer Sicherheit: “Die Finsternis wird von deiner Wäre gezähmt.” - Mit Saxophon-Improvisationen zwischen den Themenblöcken intensiviert der Musiker (Andreas Gummersbach) die Atmosphäre und fügt der griechischen Sprache (gelesen von G.Lillis) und deutschen Sprache (gelesen von W. Stutz) eine dritte Sprache hinzu, die Sprache der Töne, der Klänge, der Musik. 

 

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