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Vortrag, 25.Juli 2013, Bayreuth, Die Messingstadt

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Wolfram Stutz

Seit Jahrtausenden ist die Welt im Besitz elementarer Wahrheiten und religiser Gewissheiten. Sie verfgt ber Gedankenschtze und Erkenntnisse, durch deren Nutzung ein glckliches, friedvolles und erflltes Leben vom Tag der Geburt bis zum Tage des Todes mglich wre.

Dennoch gibt es Tendenzen, die sich in der Menschheit durchsetzen -egoistische Tendenzen- die den glasklaren geistigen Gesetzmigkeiten zuwider laufen, und so steht das Individuum Zeit seines Lebens in der Versuchung, den eigenen Triebkrften nachzujagen, die groen Einsichten der Weisen und der Religionsgrnder hingegen strflich ungenutzt auf sich beruhen zu lassen.

Obwohl Gier, Genuss-Sucht, Trara und Zerstreuung in der Auenwelt keineswegs zu einem soliden, lang anhaltenden Wohlbefinden beitragen, sondern in der Regel die Lust auf Ablenkung und Sensationen nur immer mehr verstrken, was zu der heute hufig vorzufindenden Rastlosigkeit fhrt, scheint der Mensch an dieser Tatsache gar nicht interessiert zu sein. Er scheint gar nicht wissen zu wollen, dass er sich in einem heillosen Dilemma befindet. Er redet sich ein, dass alles in Ordnung sei und verschliet die Augen vor dem Weg, der Wahrheit und dem wirklichen Leben.

Die Frage, wie man leben msste, wird kaum noch ernsthaft erwogen und dass Geld verdienen an erster Stelle zu stehen hat, wird kaum in Zweifel gezogen. Das Ja zum Goldenen Kalb, diese Unterwerfung unter das Motto "Jeder ist sich selbst der Nchste", hat die Gesellschaft in einen nicht haltbaren Machbarkeitswahn getrieben, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint. Dennoch oder gerade deswegen muss die Frage neu und eindringlich von jedem Einzelnen gestellt werden: Mit welcher Haltung will ich dem Leben begegnen, mit welcher Motivation will ich mein Leben -und zwar jetzt, auf der Stelle- anpacken, damit es fruchtbar und "gottgefllig" werde. Die Antworten der Schrift sind uns vom Buchstaben her bekannt, den Wortlaut knnten wir uns gegenseitig vorbeten. Doch entbehren diese Antworten jeglicher Kraft, weil sie ausgehhlt sind; weil sie verbogen sind; weil sie durch schdliche Kompromisse und den Wunsch, die einschneidende religise Wahrheit mit den eigenen Wnschen, Trieben und Schten kompatibel zu machen, zur Wirkungslosigkeit verdammt sind. Wir verfgen ber das Wort, doch dieses Wort ist ein Zwitterwesen, weil wir nicht mehr auf seinen inneren Sinn lauschen, sondern ihm eine hausgemachte Bedeutung induzieren, die sich mit unserer Bequemlichkeit, Willkr und Besserwisserei unter einen Hut bringen lsst.

Das Mrchen von der Messingstadt antwortet auf die Fragen unserer Zeit, indem es ein zentrales Thema aufgreift, das uns alle betrifft und das uns allen gemeinsam ist: die Sterblichkeit des Menschen, seine Vergnglichkeit. Virtuos, in auergewhnlicher Dichte kreiert die Geschichte ein Monumentalgemlde und lsst das Sterben seit Menschengedenken, bis zurck zu Urvater Adam, vor unserem Bewusstsein erstehen. Die "Beweise" fr die Vergnglichkeit des auf Erden geborenen Menschenwesens sind erdrckend, bedrckend, zugleich aber auch befreiend. Am Anfang des Mrchens merkt man noch nicht, worauf es hinaus luft. Es beginnt in geselliger Runde am Hof des Kalifen, und es beginnt mit einem Gesprch, mit der Akkumulation persnlicher Erfahrungen

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