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26.09.2013 Literaturforum Bayreuth Referent Dr. Klaus von Welser

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Aphorismen - Partisanen im Feld der Sprache

Referent Dr Klaus von Welser

Donnerstag, 26. September 2013 Aus der Einleitung von Wolfram Stutz

Zitate aus dem Werk von Dr.Welser - Anmerkungen von W.Stutz

1 Es gibt offenbar in unserem gesellschaftlichen Leben keine Lizenz fr die allmhliche Verfertigung der Gedanken beim Reden, obwohl Kleists gleichnamiger Aufsatz zu unserem klassischen Kulturgut gehrt. Wie kommt das, wo liegt der Fehler? Es liegt an einem falschen Ideal. Wir meinen, die Sprache msse als Verstndigungsmittel funktionieren. (Der kompetente Sprecher, S.171, K.v.W.)

Ja selbstverstndlich, ist mein erster Gedanke. Ist das nicht unsere Hoffnung und Erwartung zugleich? Ich wei, was ich sagen will, ich drcke es aus, ich hoffe auf entsprechende Resonanz. Was denn sonst sollte die Funktion von Sprache sein?

2 Die Probleme der Unsterblichkeit der Seele beruhen auf gewohnheitsmigem Irrtum, auf mangelnder Wachsamkeit des Sprachohrs. Das Leben wrde inniger gelebt werden, wenn wir akzeptieren wrden, was die Sprache uns lehren kann: dass die Glaubenskriege aus Sprachdummheit bestehen. (Der kompetente Sprecher, S.173/174, K.v.W.)

Wir greifen auf allgemein anerkannte, gelufige Meinungen, Standpunkte zurck und lassen der "inneren Sprache" kaum Freiraum, kaum Entfaltungsmglichkeit. Unser Denken spielt ein abgekartetes Spiel. Den kreativen Ausweichmanvern der Sprache, die von dem Impuls geleitet sind, sich von der Vorherrschaft herkmmlicher Gedanken zu emanzipieren, gebietet der konservative Gedanke Einhalt.

3 Will man wirklich das zur Sprache bringen, was einem wirklich am Herzen liegt, dann ist es wie eine Geburt. (Klaus von Welser)

Warum soll das so schwer sein? Wir knnen doch wie am Flieband reden und die Publikationen gibt es in Hlle und Flle. - Wer so denkt, hat den Unterschied zwischen Plappern und Plaudern einerseits - und prgnanter, wesentlicher Ausdruckskraft andererseits nicht tief erfhlt und erfahren.

4 Kaum einer wre in der Lage, auch nur fr sich persnlich seine private Geistesgeschichte zu schreiben, nmlich die Geschichte des eigenen Geistes. (Das private Weltbild, S.8, K.v.W.)

Dazu wrde gehren, nicht was mir passiert ist, sondern welche geistige Folgen es hatte; nicht welche Bcher ich gelesen habe, sondern welche Inspirationen ich empfangen habe, welche Positionen in mir sich dabei verfestigt oder gelockert haben; nicht welchen Menschen ich begegnet bin, sondern welche Metamorphose bei mir in geistiger Hinsicht stattgefunden hat durch die Begegnung. Was ist aus mir geworden dadurch, dass ich dir begegnet bin? - Das ist eine horrende Herausforderung, die ohne Sprachmhe, ohne die Wehen einer Geburt nicht zu bewltigen ist.

5 Man sagt gern: "Du sollst nicht von dir ausgehen." Ganz falsch! Wenn ich nicht von mir ausgehen darf, kann ich auch nicht zu dir kommen. Allerdings muss ich gehen, den Zugang nutzen, sozusagen augenblicklich. (Das private Weltbild, S.27, K.v.W.)

Das ist nun der Startschu fr den heutigen Vortrag: Ich lade Sie ein, von sich auszugehen, von ihren Fragen, von Ihren Bedrfnissen, von Ihren Lebenseinsichten. Und ich wnsche, dass Sie im Mitgehen, im Weiterdenken entdecken, was es bedeutet und was es bewirkt, Herrn Dr.Welser zu begegnen.

Dr. Klaus von Welser promovierte in Komparatistik an der FU Berlin. Er gab im Piper Verlag eine Sammlung "Deutsche Aphorismen" heraus. Welser bezeichnet Aphorismen als Partisanen der Sprache. Sie operieren zwischen den Fronten der gewohnten Denksysteme und mobilisieren unser eigenes Denken gegen die Bequemlichkeit von allseits vertretenen Meinungen. Bei aller Vielfalt haben Aphorismen eins gemeinsam: Sie zeigen, wie mit sprachlichen Mitteln ein Gedankengang geffnet wird, der uns auf krzestem Weg aus dem Kampf der Klischees herausfhrt.

"Ein Aphorismus braucht nicht wahr zu sein; aber er soll die Wahrheit berflgeln. Er muss mit einem Satz ber sie hinauskommen." (Karl Kraus)

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