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16.03.2014 Erotischer Zndstoff - Das Freie Knstler Ensemble stellt im W1- Zentrum fr jnge Kultur den Schriftsteller Wolfram Stutz vor und liest Texte zum Thema Sinnlichkeit und Spiritualitt

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Bericht

"Was habe ich erlebt? Was habe ich gelesen? Was hat mich dazu bewogen, viele Jahre meines Schaffens schwerpunktmig dem Thema Sinnlichkeit und Spiritualitt zu widmen?"

Mit diesen Worten beginnt die Einfhrungsrede von Wolfram Stutz. Im ersten Teil erlutert er  wie ihn persnliche Erfahrungen -Scheidung der Eltern, Trennung von Paaren im Freundeskreis, das Zerbrechen der Familie seines Bruders- immer wieder mit dem Thema "Ehebruch, Fremdgehen, Seitensprung" konfrontiert haben. Allmhlich verschrft sich bei ihm die Einsicht, dass dem zugrunde liegenden Problem nicht mit moralischen Mitteln beizukommen ist. Er untersucht systematisch und kontinuierlich die eigenen Erfahrungen, beobachtet ehrlich und unnachgiebig sein Gefhlsleben, schreibt Erzhlungen und liest Bcher, die sein Bewusstsein fr die Ursachen der bestehenden sexuellen Sprach- und Orientierungslosigkeit wecken.

Zitat: "Die Sexualitt ist eine heilige Welt der Gegenwrtigkeit. Die Welt des Eros ist Schauplatz einer der schlimmsten Verwstungen, die Habgier und Konsumdenken im heutigen Leben angerichtet haben. Die Wrter der Intimitt, die Wrter der Zuneigung sind aufgegeben worden. Wir mssen die heiligen Wrter der Berhrung wiederfinden, wenn es uns gelingen soll, unser menschliches Wesen vollstndig zu realisieren. (John O’Donohue, Anam Cara, 92)

Wolfram Stutz sieht ein, dass die Fragen, mit denen er sich beschftigt, nicht nur einer persnlichen Vorliebe entspringen, sondern dass sie eine dringliche gesellschaftliche Aufgabe darstellen. Er merkt, dass sein Denken, wenngleich es sich auf persnliche Fakten und eigene Erfahrungen sttzt, zugleich auf eine allgemeine, schreiende Notwendigkeit antwortet. Er fhlt sich gedrngt, das hufig gemiedene Gebiet der Sexualitt, der Erotik, des Begehrens, der liebevollen Leidenschaft sprachlich anzugehen und sich auf diesen Bereich seris und unbefangen einzulassen, unter Bercksichtigung sowohl krperlicher als auch geistiger Aspekte.

Zitat: "Da es in unserem Normaldeutsch kaum Worte gibt, die die Liebe bezeichnen oder auch nur den Krper einer Frau oder eines Mannes in Worten der Zrtlichkeit nachzeichnen, ohne ihn an die Objektwelt zu verraten, haben wir zwischen Operationssaal und Gosse eine Menge Wrter gelernt, die im Grunde die kostbarsten Gefhle und Gebrden wie etwas Obsznes darstellen. Die Liebe knnte darin nachreifen, dass sie das ehdem Unsgliche sagbar macht. Es glte eine Keuschheit zu leben, die zur Unschuld der Seele und alles Lebendigen zurckfhren wrde." (Eugen Drewermann, Ein Mensch braucht mehr als nur Moral, 546) W. Stutz betont, dass seine Erzhlungen keine "Reizlektre" sind, dass sie nicht als "Stimulationstexte" taugen, sondern den Versuch unternehmen, sich mit sprachlichem Verantwortungsgefhl den Fragen zu stellen, die gewisse erotische Momente des Lebens von selbst aufwerfen. Er verfolgt nicht das Ziel, zum gedankenlosen Ausleben der Triebe aufzurufen. "Ich schreibe keine animierenden Geschichten, sondern setze auf die Heilkraft der Sprache, die uns bei ehrlicher, aufrichtiger Bemhung hilft, unseren Seelenfrieden zu finden." Zuletzt geht der Dichter auf seine jngsten Erfahrungen ein und hebt Besonderheiten hervor, die ihm bei zwei Leseproben des Freien Knstler Ensembles am gestrigen Samstagnachmittag und -abend aufgefallen sind. Er nimmt Notiz von der Feinarbeit und der geistigen Akkuratesse, mit der sich die jungen Knstlerinnen und Knstler des Textes bemchtigen. Ihm imponieren Geduld und Ausdauer, Konsequenz und Kreativitt der professionell arbeitenden Rezitatoren. Er berichtet:

Ich habe diese von mir selbst verfassten Texte -mehrfach korrigiert, immer wieder bearbeitet- mit einem neuen Gefhl von Lebendigkeit erlebt, so als wrde ich ihnen zum ersten Mal begegnen. Mich berhrte eine Energie von wertschtzender Genauigkeit, prziser Wortbetonung, delizisem Sprachgefhl. Sinnlicher Charme, voluminse Prsenz, virtuos plaudernde Gesprchigkeit, Schrfe in der Stimme, Wrme im Lesefluss - der Nuancen waren viele und die Qualitt war hoch. Ella Schulz, Anna Isabelle Gnther, Jessica Schilling, Armin Kind und Lars Smekal verstanden es, den ihnen jeweils zugeordneten Text mit einer eigenen Botschaft zu erfllen.

Wenn Ella mit groer Wucht und Exaktheit sagt: Es sind die Worte, auf die es jetzt ankommt (Die verbotene Stunde) - dann rttelt sie damit an der alltglichen gewohnheitsmigen Ungenauigkeit, Oberflchlichkeit und Phrasenhaftigkeit, sie entlarvt durch ihren schneidenden Tonfall das belanglose, banale Wortgeplnkel und den routinierten, lust-und lieblosen Umgang mit der Sprache im Alltag. Sie bringt die Wahrheit auf den Punkt. Der Satz wird in ihrem Mund zu einer Fackel, die nicht mehr auszulschen ist.

Wenn Armin voller Freude und Behaglichkeit verkndet: Das wird Max sein! (Branksteins Erinnerung) - dann merke ich, wie eine unbndige Heiterkeit, eine saftige gute Laune in mir aufsteigt und sich eine erwartungsvolle Stimmung in mir ausbreitet. Ich spre etwas vom Wert des einzelnen Menschen und vom Wert des menschlichen Daseins kraft Armins Intonierung.

Wenn Anna mit kokettierender Unbefangenheit und erotischem Esprit anhebt: Wie kommt es nur, dass ich so unersttlich bin (Elenas Tanz) - dann blht der ganze Text auf, der Funke des Satzes springt auf den Zuhrer ber und die Leichtigkeit und Unschuld des Seins werden erfahrbar.

Wenn Jessica in heller Begeisterung eine Erinnerung preisgibt: Ich habe viele Jahre so ein Spiel gespielt (Alices Gedicht) - wird mir warm ums Herz, eine tiefe Rhrung ergreift mich und ich gebe mich ganz dem hellen, sensiblen Klang und der Vertrauenswrdigkeit ihrer Stimme hin.

Wenn Lars mit dezidierter Vornehmheit und im Ton eines Kenners und Genieers kundtut: Ich hatte Emmanuelle nackt gesehen (John Borsdorfs Tagebuch) - dann geht das unter die Haut. Das Wort "nackt" wird zu einem sprachlichen Leckerbissen und ich werde unversehens zum Gourmet, der diese delikate Kstlichkeit zu sich nimmt.

Ich kann meine Begeisterung kaum zgeln, denn eine Erfahrung von unschtzbarem Wert ist mir zuteil geworden: Meine Texte wurden im Munde bedeutender junger Knstler authentisch, sinntrchtig wiedergeboren. Sie entfalteten eine meine khnsten Erwartungen bertreffende ontologische Relevanz.

Ich hre Worte, und diese Worte sprechen pltzlich Bnde - das habe ich in Regensburg erlebt. Und ich wnschte, dass es nicht aufhrt: dieses Erleben von Wrme und Leidenschaft, beseelter Sprache und vollkommener Hingabe an das Wort!

Mein besonderer Dank gilt dem W1-Zentrum fr junge Kultur in Regensburg, das mit groer Gastfreundlichkeit und grozgiger Hilfsbereitschaft diesen Abend ermglicht hat.

 

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