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Vorwort: Das Mrchen im Kontext unserer Realitt 27-02-2014

Wir sollten am Anfang mglichst scharf und genau die Grundsituation ins Auge fassen, die in in dieser Geschichte thematisiert wird und betrachten, in welchem Kontext von Geschichten diese hier ihren konkreten Platz einnimmt. Wir wollen zu erkennen versuchen, was diese Geschichte darstellt und was sie nicht darstellt.

Es ist keine Geschichte von einer Vergewaltigung, von Lustmord, Verfhrung oder Missbrauch Minderjhriger, es ist vielmehr eine Geschichte von Mann und Frau, die einander zugetan sind, aneinander Gefallen finden, sich zueinander hingezogen fhlen. Die natrliche Affinitt, die unwillkrliche Anziehungskraft zwischen den Geschlechtern ist somit das Thema.

Erfahrungen dieser Art mgen hufig vorkommen, doch unterliegen sie in der Regel strenger Geheimhaltung und sind nicht selten mit markanten Schuldgefhlen verbunden. Es sollte selbstverstndlich sein, dass nicht alle Geschichten von geheimer Liebe ber einen Kamm geschoren werden drfen, sondern dass man die besonderen Kennzeichen und prgnanten Merkmale der einzelnen Liebesgeschichte zu bercksichtigen hat, wenn man zu einer realistischen Einschtzung der speziellen Vorkommnisse gelangen will. Die Geschichte zu verallgemeinern, wrde heien, mit Schubladendenken zu operieren und weder Zeit noch Mhe investieren zu wollen, die fr ein tieferes Verstndnis unabdingbar sind. Man will dann nur ein schnelles Urteil, man will im Grunde Selbstjustiz. Die Ehrfurcht vor dem Leben jedoch, vor seinen Gesetzmigkeiten wie auch vor seiner Unberechenbarkeit wird uns heut abend bei unseren Betrachtungen leiten und deshalb werden wir weder vorschnell verurteilen noch zu schnellen Rechtfertigungen oder Entschuldigungen fr das Liebespaar greifen. Wir werden versuchen, die Lage zu ergrnden, in der sich die Beteiligten befinden und die Motive ihres Handelns ins rechte Licht rcken.

Besonders die Betroffenen selbst sowie die Vertrauten des geheimen Liebespaares merken, dass Krfte am Werk sind, Magnetismen, die weder durch die Erkenntnis von Gut und Bse, noch mit Richtig und Falsch-Mastben zu beseitigen sind. In der Welt der Liebe gelten andere Regeln. Die Unmittelbarkeit, die Unschuld des Augenblicks, die liebevolle Hingabe an das, was gegenwrtig ist spielen eine Rolle, und wir mssen sehen, ob sich aus dem Spiel der Krfte, das uns diese Erzhlung vor Augen fhrt, ein Fazit ableiten lsst.

Um Missverstndnissen vorzubeugen Wir sprechen ber dieses Thema weder um dergleichen gutzuheien und im wirklichen Leben abzusegnen noch um dergleichen abzuurteilen und darin verstrickte Personen zu verunglimpfen. Wir sprechen darber, um einen Zustand zu thematisieren, der -wenn er tabuisiert wird- zu schier unendlichem Leiden und permanenter Zerrissenheit fhren kann. Die Verschlossenheit, die Verschwiegenheit, aus Angst das Gesicht zu verlieren, angefeindet oder verachtet zu werden, in keinem Fall aber ruhig angehrt und sachlich untersttzt zu werden, fhrt zu derart angespannten Verhltnissen, dass der innere Zwiespalt zur Todesursache werden kann. Deshalb ist es weder mit Leichtsinn noch mit moralischer Rigiditt getan. Das Problemfeld muss zunchst aufgelockert werden

Eben weil die Situation, in der sich heimlich Liebende befinden, sehr heikel ist, verhalten sich alle Beteiligten -Abu el-Hasan, die Sklavin von Schams en-Nahar, der Juwelier, der spter als Mittelsmann auftritt, und sogar die Ruber sehr respektvoll und gehen mit deutlicher Behutsamkeit vor. Alle bemhen sich, wenigstens im innersten Zirkel des Vertrauens, Worte zu finden fr das, was geschieht, die Lage zu beschreiben und die Brisanz der entstehenden Liebesgeschichte einzudmmen.

Das erste Etappenziel auf unserem Weg zur Erkenntnis ist demnach: Urteilt nicht die Menschen ab. Richtet nicht. Hrt euch den Text unvoreingenommen an. Betrachten wir unter diesem Gesichtspunkt den Beginn der Geschichte an, so geschieht hier eine Art "Entwaffnung durch Schnheit".

 

27.02.2014

Mrcheninterpretation Verbotene Liebe Wolfram Stutz

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