HintergrundVerlag
HintergrundVerlag

27.11.2014 Literaturforum Bayreuth
“Licht an” Text und Performance

27.11.2014,2
27.11.2014,1
27.11.2014,3

Der Leiter des Literaturforums Wolfram Stutz stimmt ein: Wenn Novalis bei seiner Kritik am Rationalismus das Bild einer ungeheuren Mühle verwendet, welche die unendliche schöpferische Macht des Weltalls in eintöniges Klappern verwandelt, sage ich, dass wir heute die Umkehrung erleben werden: drei junge Menschen erheben ihre Stimme, zeigen die Entfaltung ihrer Sprache, bringen authentische Texte zum Vortrag und verleihen ihrer kostbaren Innenwelt ehrlich und kritisch Ausdruck. Sie verwandeln das eintönige konforme Klappern zurück in die schöpferische Vielfalt individueller künstlerischer Darbietung. Stutz legt de Zuhörern ein Wort von Marcel Proust ans Herz: “Was du heute nicht erfährst, wirst du niemals erfahren. Wenn du uns am Wege wieder in das Nichts sinken lässt, aus dem wir uns zu dir haben heraufheben wollen, wird ein ganzer Teil deiner selbst, den wir dir bringen konnten, für immer verloren sein.”           

Simone Bilz (Foto unten links) erwärmt die Gemüter. Ihr “Mokkamädchen” ist gleich zu Beginn ein Höhepunkt. “Es stand bei ihm, dieses junge, schlanke Mädchen mit den dunklen, glatten Haaren, welche ihr fast bis an die Hüfte reichten. Es hatte dieses erregte, ermutigende Funkeln in ihren mokkabraunen Augen, mit denen es ihm fest in die seinen blickte.  ... ‘Warte kurz!’ sagte das Mädchen sanft und ließ seine Hand los. ‘Ich mache es dir etwas leichter’ und strich sich dabei ihr Hemd über den Kopf. ‘Hab keine Angst. Es wird dir sicher gefallen!’, hauchte sie ihm ins Ohr und küsste ihn sanft auf seine weichen Lippen.” 

Julian Kalks (oben links) geht mit dem seelenlosen Arbeitsleben ins Gericht. Er findet, dass “dein ungelebtes Leben als Kündigungsgrund” ausreicht, er warnt vor der Selbstzerstörung des eigenen Ich und vor dem Identitätsverlust “in Prozess der Deportation”. Kalks prophezeit: “Es kommt der Tag, an dem ihr zerbrecht. Was hat euch dann die Norm gebracht, die sagt: Arbeit macht frei?” Und sein starkes Wort der Hoffnung lautet: “Für wahre Liebe ist es nie zu spät.” Die spürbare Stille und Betroffenheit im Auditorium war aussagekräftiger als der anschließende fulminante Applaus.

Einsame Spitze auch die inspirierende Darbietung von Shiva Kianpoor (Foto oben rechts). Mit zarter Stimme und sinnlich-geistvollem Temperament trägt sie “Licht an” vor. Der Kontrast, der durch die “Licht aus”- und “Licht an”-Passagen erzielt wird, ist fesselnd. Eine Licht aus-Passage: “Licht aus! Jeder Tag ist grau, jeder Körper eine Leiche, jeder Grabstein nur eine Vogelscheuche. Augen, die sich bewegen, doch nicht funkeln, Münder, die verfälschen, verschweigen und munkeln. Füße, die auf Träume treten. Hände die kalt sind und kalt bleiben im Dunkeln ...” Demgegenüber die Licht an-Welt voller Freude, Liebe und Wärme: “Licht an! Ich atme ein. Weit und breit Grün, weit und breit Glück. Die Luft schmeckt nach Geburtstagsfrühstück und jeder Augenblick ein Liebesstück. Luft und Liebe, Frucht und Friede, Frühlingsgefühle in unseren Körpern, in unseren Köpfen, ein Meer aus Hoffnungstropfen. Meine Haare tanzen im Wind, mein Rock ein unruhiges Kind. Du hältst mich an der Taille fest und folgst mir blind ...” 

Ein atemberaubender Abend im Schloßturmsaal, an dessen Ende Wolfram Stutz den Protagonisten wünscht, sie mögen Gehör finden, starke Rückendeckung bekommen und fundamentale Unterstützung erhalten. Die allgemein Ergriffenheit am Ende führt dazu, dass einige Zeit vergeht, bevor mit ersten Wortmeldungen das Nachgespräch einsetzt.

HintergrundLinds
HintergrundLinds

Autoren

button
button
button
button
button
button
button
button
Kfzversicherung Vergleich Lesen

 

Home

Leseseite

Aktuelles

Katalog

Vorschau

Bestellung

Archiv

Impressum

LindsLogo1