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Die Geschichte von der Bohne, das abschließende Märchen, schildert die Tragik der Armut und die umwälzende Kraft des Mitgefühls. Der Bohnenhändler befindet sich in einem jämmerlichen Zustand, als der großherzige, freigebige Barmekide Dsch’far auf ihn aufmerksam wird. In der Deutung heißt es: “In dem Moment, da Dscha’far ins Spiel kommt, wird alles lebendig, energievoll und dynamisch. Die Statik des Elends, die Stagnation des an seinen Stand gefesselten Händlers wird durchbrochen. In dem Augenblick, als eine sensible Seele vom Leid eines Mitmenschen berührt wird, kommt Schwung ins Leben, und eine außergewöhnliche Kettenreaktion von wunderbarer Milde und unvergleichlicher Kraft beginnt.”

Die Geschichte vom Manne, der nie mehr im Leben lachte, beleuchtet die Zonen tiefsten Elends und fragt nach Ursachen. “Wenn Jammer und Leid ein unentrinnbarer Kerker geworden sind, wenn Bitterkeit und Schmerz die einzige ewige Perspektive bilden, hat ein Mensch in der Tat nichts mehr zu lachen. Die Vision von endloser Dunkelheit, permanentem Eingeschlossen- Sein und tiefem Gram verbieten es förmlich, nach theoretischen Hoffnungen Ausschau zu halten und sich künstliche Möglichkeiten der Leidensauflösung einzubilden. Das Ende dieser Geschichte lässt sich nicht zum Guten umbiegen; ein Versuch dieser Art würde reinem Wunschdenken entspringen, wäre ein falscher Trost, ein Affront gegen die Wahrheit vom Leiden und eine seelische Fata morgana, die weder Durst zu löschen noch Hunger zu stillen vermöchte. Über dieser Geschichte könnte die Inschrift stehen: Gib falsche Hoffnungen endgültig auf. Und falsche Hoffnung würde bedeuten: zu glauben, dass Rettung von außen kommen könnte, das Erlösung jenseits der eigenen Verantwortung ohne persönliches Zutun möglich wäre.”

Vier Märchen und vier Gedankenwelten, die das Leben von einer geheimnisvoll-menschlichen Seite zeigen, sind in diesem vierten Band der Expedition zum Wort enthalten. Die Deutung der Geschichte von der alten Frau und dem Kaufmannssohn beginnt so: “Ist dies die Geschichte von einer hinterhältigen Unglücksalten, einer korrupten Kupplerin, einem gemeinen, berechnenden Weibsstück, das geheime Orgien und Exzesse inszeniert und Kapital schlägt aus  den erotischen Bedürfnissen unschuldiger junger Männer oder unerfahrener, schüchterner Jünglinge?” Bei der Lektüre des Märchens kann man feststellen, dass neben dem unter moralischen Aspekten untragbaren Verhalten der humpelnden Alten auch eine merkwürdige Güte und Feinfühligkeit, Weisheit und Flexibilität spürbar werden, welche den Eindruck einer heilenden zwischenmenschlichen Begegnung vermitteln. Ein unverheirateter Jüngling und eine verheiratete, ehrenhafte Frau treten in eine heikle, durchaus fragwürdige, von diskreter Zuneigung und tiefem Respekt getragene Beziehung.

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